Zürcher Ferientypen

Die Sonne scheint mir auf den nichtvorhandenen Ranzen, während ich im Garten meiner Eltern liege und diese Wörter tippe. Aus den Lautsprechern ertönt das “Rolling Papers” Album von Wiz und im (Pimp-)Cup befindet sich ein kühler Drink. Ich hab Ferienstimmung. Und da die Sommerferien immer näher kommen, möchte ich auf dieses Thema ein bisschen eingehen. Wo geht der Zürcher in die Ferien? Was für Ferientypen gibt es? Ein kleiner Überblick (in beliebiger Reihenfolge) mit einer gesunden Prise Ironie:

Der fernsehorientierte Abenteurer:

Der fernsehorientierte Abenteurer sieht etwa ein halbes Jahr vor den Ferien seine nächste Destination im Fernsehen, zB. in einer Dokumentation. Das nächste halbe Jahr verbringt der fernsehorientierte Abenteurer damit, sich die Ausrüstung für seine Ferien zu beschaffen und möglichst viel darüber zu lesen. Der fernsehorientierte Abenteurer fühlt sich mindestens so intellektuell wie der interessierte Abenteurer (siehe unten), ist es aber nicht. Der fernsehorientierte Abenteurer besteht bis in’s fortgeschrittene Alter; gerne nimmt er auch mal seine ganze Familie mit zum “grossen Abenteuer”. Der fernsehorientierte Abenteurer ist immer top ausgerüstet, was das teuerste Equipment angeht, vergisst aber oft die wichtigsten Dinge zuhause und muss mit mittelgrossen Problemen wie Durchfall und bodenlos gelangweilten Kindern kämpfen. Der fernsehorientierte Abenteurer steht in den Ferien morgens um 08.00 Uhr auf.

Lieblingsdestinationen:

- Kenia
- Ägypten
- Alaska
- Brasilien

Der interessierte Abenteurer:

Der interessierte Abenteurer will Orte auf der Welt entdecken, wo nicht jeder unbedingt als erste Feriendestination hin will. Der interessierte Abenteurer hat nur einen kleinen Rucksack dabei und scheut sich nicht, auf dem Boden zu schlafen, solange er historisch/religiös bedeutsame Steine und Bäume anschauen kann. Der interessierte Abenteurer reist bevorzugt alleine, selten auch mit einem Freund und verlässt sich auf keine Tipps von Touristenzentren, sondern möchte das Land auf eigene Faust durchkämmen, was manchmal zu Entführungen und Geiselnahmen führt. Der interessierte Abenteurer steht in den Ferien morgens um 05.00 Uhr auf.

Lieblingsdestinationen:

- Iran
- Israel/Palästina
- Marokko
- Nordkorea

Der möchtegern Reiche:

Der möchtegern Reiche, erkennbar an seinen teilweise gefälschten Designerklamotten, bucht seine Ferien so früh wie möglich, damit er möglichst günstig wegkommt. Er erzählt all seinen Freunden, wo es diesen Sommer hingeht, aber eher so nebenbei, als wäre es keine grosse Sache. Details wie Fortbewegungsmittel vor Ort oder Übernachtungsstätte lässt er dabei aus. Meistens reicht es nämlich nur für einen Mietwagen der mittleren Klasse und eine Jugendherberge, beziehungsweise ÖV und Mittelklasshotel. Doch wenn der möchtegern Reiche in den Ferien ausgeht, ist das Ralph Lauren Hemd perfekt gebügelt und die Geldscheine kommen, wo sie nur können, zum Vorschein. Ausgegeben wird aber nur ein Teil davon, es soll ja schliesslich für die ganzen Ferien reichen. Der möchtegern Reiche besucht die gleichen Destinationen wie der Reiche. Der möchtegern Reiche steht in den Ferien morgens um 10.00 Uhr auf (Brunch mit der high society).

Lieblingsdestinationen:

- St. Tropez
- Cannes
- Marbella
- Monaco

Der Reiche:

Der Reiche bucht seine Ferien spontan, etwa 3 Tage vor Reiseantritt. Er fliegt selbstverständlich Business- oder Firstclass, da er seine Beinfreiheit braucht und das Gefühl, vom Pöbel getrennt zu sein, ihm Genugtuung gibt. Wenn der Reiche ankommt, ist bereits alles für ihn vorbereitet, er muss keinen Finger mehr krümmen. Die Ferien verbringt der Reiche geleitet vom Motto “sehen und gesehen werden” und gibt einige lila Banknoten für’s Shopping und Hummer Essen aus. Der Reiche kündigt niemandem an, dass er in die Ferien geht; er geht einfach und niemand kriegt es mit, denn er ist weiterhin auf seinem Blackberry online: Das Daten Roaming muss er auch im Ausland nicht abstellen. Der Reiche steht in den Ferien morgens um 10.00 Uhr auf.

Lieblingsdestinationen:

- St. Tropez
- Cannes
- Marbella
- Monaco

Der Arme:

Der Arme sagt: “Wieso soll ich in die Ferien? Ich wohne in der schönsten Stadt der Welt” und bleibt im Sommer in Zürich. Manchmal fährt der Arme aber auch mit Freunden in’s Tessin in die Ferienwohnung der Eltern seines Cousins. Der Arme steht in den Ferien morgens um 12.00 Uhr auf.

Lieblingsdestinationen:

- Zürich
- Tessin
- Freibad

Der Schüler:

Der Schüler muss sich fügen. Wo seine Eltern hinfahren, muss er auch hin. Ab einem bestimmten Alter verschiebt sich der Schüler automatisch in den “der Arme” Ferientypus, ausser seine Eltern bezahlen ihm die Ferien. Der Schüler geht gerne an Festivals und Openairs, wo er sich hemmungslos die Kante geben kann und anschliessend leere Becher und Depot-Chips sammelt. Der Schüler geht vor allem im Winter mit seinen Freunden in die Berge. Der Schüler steht in den Ferien morgens um 12.00 Uhr auf.

Lieblingsdestinationen:

- Fiesch (im frühen Alter)
- Frauenfeld
- Graubünden
- die Lieblingsdestination der Eltern

Der Freundin-Typ (auch genannt: die Pussy):

Der Freundin-Typ geht ausschliesslich mit seiner Liebsten in die Ferien. Dabei sehen ihn seine Freunde, die schon lange einen Trip geplant haben, als Verräter an. Der Freundin-Typ will es seiner Angebeteten so perfekt wie möglich machen, weshalb er sich nicht selten selbst zum Affen macht. Zum Beispiel bucht er Candle-Light-Dinners am Strand, welches dann von lichtliebenden Insekten zunichte gemacht wird. Der Freundin-Typ ist das Ferienhündchen seiner Freundin, welches sprechen kann und keine Leine braucht. Denn schlussendlich bestimmt immer die Freundin des Freundin-Typs, was an jenem Tag unternommen wird. Der Freundin-Typ steht in den Ferien morgens dann auf, wenn seine Freundin es sagt.

Lieblingsdestinationen:

- Griechenland
- Barcelona
- Paris
- Mailand

Der Obercoole:

Der Obercoole verwirklicht sich Träume. Der Obercoole lässt sich von niemandem was sagen und ist ebenfalls sehr fernsehorientiert. Der Obercoole kommt sich während seiner Reise sehr cool vor und postet ständig die aktuellsten Ereignisse auf Facebook. Wenn der Obercoole aus den Ferien zurück ist, erzählt er allen wie’s war, auch wenn es die anderen überhaupt nicht interessiert. Der Obercoole möchte in möglichst kurzer Zeit möglichst viel erleben und fällt dabei oftmals auf die Schnauze. Der Obercoole ist oftmals gar nicht so cool, wie er selbst glaubt. Der Obercoole steht in den Ferien morgens um 09.30 Uhr auf.

Lieblingsdestinationen:

- USA
- Australien
- Kanada
- Südamerika

Der Partytyp:

Dem Partytp reichen die Parties in Zürich nicht. Er muss auch in den Ferien die Sau rauslassen. Der Partytyp kriegt von dem Land, in welchem er sich befindet, meist nicht sehr viel mit, kennt aber dafür die Clubs und Promotoren in- und auswendig. Der Partytyp ist überwältigt, wieviel billiger er seine Lieblingsdrinks als in Zürich bekommt und führt sich als Zürcher am bescheuertsten von allen auf. Der Partytyp kommt müder von den Ferien zurück, als er vorher war. Der Partytyp steht in den Ferien morgens um 14.00 Uhr auf.

Lieblingsdestinationen:

- Ibiza
- Mallorca
- Ayia Napa
- Lloret del Mar

Der Nerd:

Der Nerd besucht in seinen Ferien liebend gerne seine Grosseltern. Ausserdem nutzt er die geschenkte Zeit, um seinen Schulstoff zu repetieren, da man nie ausgelernt hat. Nach dem Lernen verbringt der Nerd seine Ferien gerne mit dem Zocken von neusten Videospielen, vor allem Rollenspiele, wo Elfen und Zwerge leben. Der Nerd mag den normalen Alltag lieber als Ferien. Der Nerd steht in den Ferien morgens genau gleich wie sonst auch auf.

Lieblingsdestinationen:

- Zuhause
- Bei den Grosseltern in Deutschland/Österreich
- Den Haag
- Genf beim Cern-Reaktor

So, das wären sie, einige der Ferientypen aus Zürich. Bestimmt gibt es noch viel mehr, aber für dies hat’s genügend Platz unten in der Comment-Box. Ausserdem ist der ganze Beitrag in der männlichen Form geschrieben, ist aber natürlich analog auch auf das weibliche Geschlecht übertragbar (wie eine ansteckende Krankheit). Ich selber bin in diesem Sommer der “Obercoole-Typ”. Am Montag flieg ich nach Sunny California. Und was für ein Typ bist du?

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6 Responses to Zürcher Ferientypen

  1. Beezy says:

    Der Freundin-Typ (auch genannt: die Pussy)…warst du nicht gerade in Barcelona, lieber Alpi?

  2. Lide says:

    Nerds sind nicht zwingend Streber ;-)

  3. Shidar says:

    Der Obercoole. Miami & New York.

  4. Rebi says:

    Du hesch de sportsüchtig Bünzli vergesse……….. :D

  5. Lien Fantl says:

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